Fick dich, eingebildeter Freund! 2


Irgendwie traue ich mich da oben im Titel gerade nicht „Gott“ zu schreiben, so wurde es dann „eingebildeter Freund“. Warum ich da überhaupt Gott schreiben wollte und mich jetzt nicht traue? Weil das Amtsgericht Lüdinghausen (NRW) gerade einen Lehrer wegen Gotteslästerung verurteilt hat. Gotteslästerung! Heilige Scheiße.

Gotteslästerung ist in Deutschland noch immer strafbar, obwohl wir im Grundgesetz so etwas wie Meinungsfreiheit und die Trennung von Staat und Religion haben (aber letztere ignorieren die Gesetzgeber ja sowieso regelmäßig, sei es nun im Bildungssystem oder im Arbeitsrecht). Bevor ich mich weiter aufrege, hier erstmal der § 166 StGB, damit wir alle wissen, wovon ich rede:

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Ich versuche gerade mir vorzustellen, wie ich in der Öffentlichkeit den Frieden stören soll, wenn ich einen satirischen Spruch zum christlichen Gott (Wichtig: Es muss der christliche sein, kein deutsches Gericht würde jemanden verurteilen, weil er sich über Mohamed lustig macht. Satire darf alles und so, ihr wisst schon) auf meinem T-Shirt trage. Da könnte ich genauso gut dafür verurteilt werden, dass ich ein T-Shirt trage, dass sich über Star Trek lustig macht und damit auf eine ScienceFiction Convention gehe. Versucht mal einem Trekkie zu erklären, dass sein Glaube an Gene Roddenberry weniger wichtig ist, als der glaube an die Fantasiegestalt Gott bei Christen. Der wird dir viel eher haarklein darlegen, warum Gott nur eine Wahnvorstellung ist und dass Gene Roddenberry wirklich existiert hat. Wird schwer, ihm da zu widersprechen.

Aber wenn es um den christlichen Gott geht, dann gelten andere Spielregeln. Wehe dir, wenn du die Christen angreifst, das ist verboten.

Ich gehe mir dann mal Mohammedkarikaturen anschauen. Satire darf schließlich alles – zumindest, so lange es um die Wahnvorstellungen von Anderen geht.

Was den Spruch „Wir pilgern mit Martin Luther: Auf nach Rom! Die Papstsau Franz umbringen. Reformation ist geil“ angeht: Da gehört wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag angeklagt und prozessiert, nicht wegen Gotteslästerung. Und ob er sich dessen schuldig gemacht hat, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Vermutlich eben gerade nicht, sonst hätte die Staatsanwaltschaft ja genau deswegen Anklage erhoben. Da scheinen sie aber davon ausgegangen zu sein, dass sie kein Land sehen würden und haben deswegen lieber zu dem Schwachsinnsparagraphen der Gotteslästerung gegriffen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 Gedanken zu “Fick dich, eingebildeter Freund!