Keine Buchpreisbindung für Selfpublisher? – Die Abhängigkeit von Amazon wird zunehmen 2


Für Autoren 2bDie Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Gesetz, das die Buchpreisbindung für E-Books endlich gesetzlich festigen soll. Bislang wird zwar so gearbeitet, als wenn sie gelten würde, wirklich gesetzlich zementiert ist das aber nicht. Im Grunde traut sich nur niemand, in das unsichere Fahrwasser zu springen und sie zu ignorieren.

Mit der Festigung der elektronischen Buchpreisbindung kommt aber auch neuer Unsinn dazu. So heißt es in den Kommentaren zum Gesetz (nicht im Gesetz selbst) auf Seite 8 als Kommentar zu § 2 Absatz 1 Nummer 3:

Elektronische Bücher, die nicht als verlags- oder  buchhandelstypisch  anzusehen  sind,  wie  beispielsweise  von den  Autoren  selbst  unter  Nutzung spezialisierter Plattformen veröffentlichte elektronische Bücher, fallen nicht unter die Preisbindung

Ich sehe derzeit einige Selfpublisher jubeln, dass sie endlich nicht mehr unter die böse Preisbindung fallen. Damit einher gehen aber regelmäßig mehrere Irrglauben (nicht immer alle gleichzeitig):

  1. Sie denken, dass die Preisbindung ihnen einen Preis vorschreiben würde, zu dem sie das E-Book verkaufen müssten.
  2. Sie glauben, dass durch die Buchpreisbindung keine Rabattaktionen möglich wären.
  3. Sie denken, dass sie ohne Buchpreisbindung mehr Geld verdienen würden.

Alle diese Gedanken sind falsch. 1 und 2 definitiv, weil absoluter Unsinn und 3, weil sie etwas verkennen: Wenn ein Händler entscheidet, dass er das 3,99€ teurer Buch jetzt mal einfach so für 0,99€ verkauft, dann kriegen sie auch weniger Geld. Und womöglich kommt noch ein ganz anderes Problem dazu, auf das ich im Folgenden näher eingehen werde.

Wer über einen Distributor, zusätzlich zu Amazon, veröffentlicht, ist ziemlich angeschissen.

Warum?

Amazon verlangt, dass Bücher, die über KDP veröffentlicht werden nirgends am Markt günstiger zu haben sind.
Wenn jetzt aber ein kleiner Händler, bei dem das Buch ebenfalls zu haben ist, entscheidet: Hey, heute haue ich das mal für 0,99€ raus, dann setzt Amazon den Preis ebenfalls runter. Die 70%, die es ab 2,99€ Verkaufspreis gibt, werden zu 35%, die Marge wird ein Witz und der Autor darf erstmal mehrere Tage darauf verschwenden herauszufinden, welcher kleine Händler ihm denn gerade seine Einnahmen ruiniert.

Wozu wird das führen?

Der Markt wird sich noch mehr auf Amazon fokussieren, weil die Autoren diese Gefahr nicht haben wollen (spätestens nach dem ersten Vorfall wird derjenige sein Buch nie wieder woanders anbieten). Amazons Monopolstellung wird also gestärkt. Langfristig schadet das uns Selfpublishern, denn Amazon wird nicht immer so freundlich spielen, wie sie es jetzt tun.
Tolino Media wird sich dagegen womöglich halten können, wenn die angeschlossenen Shops gezwungen werden, den vom Autor diktierten Preis zu verlangen, da es sich um ihre eigene Plattform handelt, sollte sich da leicht ein gemeinsammer Nenner finden lasen. Aber für alle anderen Distributoren wird das ein herber Schlag, denn sie müssen eine ganze Menge kleiner Händler entweder in Knebelverträge zwingen (was juristisch vermutlich gar nicht möglich ist), das oben beschriebene Risiko eingehen oder aber ihre Marktabdeckung zurückfahren und nur noch diese Händler bedienen, die sich in eine freiwillige Selbstverpflichtung begeben.

Langfristig ist davon auszugehen, dass die Marktabdeckung der E-Books von Selfpublishern damit deutlich zurückgehen wird. Etwas, das der Entwicklung des Selfpublishings in Deutschland schweren Schaden zufügen wird. Ganz im Sinne derer, die unsere Bundesregierung ordentlich bestechen … ääähhh, pardon … unsere Bundesregierung ordentlich parteispenden und mit Lobbygeldern bombardieren, damit solche Gesetzesbegründungen zustande kommen. Wie kann man da nur von Bestechung reden … tztz.

Was dabei übersehen wurde ist allerdings für jeden mit nur einem Funken Restverstand sehr deutlich: Der einzige Sieger bei dieser Sache heißt Amazon. Bei denen knallen vermutlich bereits die Sektkorken, denn der für sie extrem lukrative Selfpublishing-Markt wird sich im Ergebnis noch viel stärker auf sie fokussieren, denn wenn Selfpublisher woanders veröffentlichen, begeben sie sich in riskantes Fahrwasser.

Die Verlierer sind die Buchhändler, die E-Book Distributoren (deren Geschäftsmodell damit in sich zusammenbrechen wird) und die Selfpublisher. Also eigentlich alle.

Bei über „Spezialdienste“ veröffentlichte Taschenbücher (wie BoD, Createspace oder epubli) ändert sich übrigens nichts, sie sind auch weiterhin von der Buchpreisbindung erfasst. Weil … ja … weil, halt. So richtig logisch begründbar ist die Ausnahme für Selfpublishing-E-Books ja auch nicht, warum sollte es also hier einen irgendwie sinnhaft erklärbaren Grund geben, dass für gedruckte Selfpublishing-Bücher andere Regeln gelten?


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2 Gedanken zu “Keine Buchpreisbindung für Selfpublisher? – Die Abhängigkeit von Amazon wird zunehmen

  • PhantaNews

    Das ist natürlich völliger Unsinn. Nicht der Händler legt den Preis fest, sondern der Selfpublisher. Der Händler darf den Preis ohne Zustimmung des Urhebers nicht unilateral ändern.

    • Daniel Autor des Beitrags

      Solange die Buchpreisbindung bestehen bleibt, ja.
      Aber die soll für Selfpublisher künftig nicht mehr gelten. Damit kann jeder Händler dann selbst bestimmen, zu welchen Preisen er die E-Books verkauft.