Blogger/Presse von der Leipziger Buchmesse kalkuliert verarscht 6


Vor einer ganzen Weile hatte ich mich für die diesjährige Leipziger Buchmesse um eine Presseakkreditierung gekümmert. Normalerweise sollte das auch kein Problem sein, immerhin berichte ich über Entwicklungen auf dem Buchmarkt, Literatur im Allgemeinen und rezensiere auch Spiele, die auf der Leipziger Buchmesse regelmäßig durch Spieleverlage vorgestellt werden. Lediglich das letzte Jahr war nicht so regelmäßig, weil ich Vater geworden bin und mich um mein Kind gekümmert habe. Tatsächlich war/bin ich auch ganz offiziell in Elternzeit.

Dennoch hatte ich mir natürlich Sorgen gemacht, denn im ersten Moment wird man bei der Leipziger Buchmesse ja nicht wissen, dass ich mich in Elternzeit befinde, das ließe sich im Fall der Fälle ja aber dann noch klären.

Nun, die Realität sieht anders aus.

Zum einen wurde mir erst gestern eine Absage verschickt (die Messe ist nächste Woche!) und dann kam als Antwort auf meinen Hinweis, dass ich lediglich keine Regelmäßigkeit hatte, weil ich mich um mein Kind kümmere das hier:

Leider besagen unsere Akkreditierungsrichtlinien dennoch, dass ein entsprechender Blog regelmäßig Buchrezensionen veröffentlichen muss.

Ich kann also an dieser Stelle nur dringend davon abraten Kinder zu kriegen und dann auch noch für diese da zu sein, wenn man auf die Leipziger Buchmesse will. Verantwortungsvolle Eltern sind eindeutig nicht erwünscht!

Interessant sind dabei auch mehrere andere Dinge. Erstens: Bei der ursprünglichen Absage wurde das noch nicht einzig auf Buchrezensionen beschränkt:

Leider erfüllt Ihr Blog zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gänzlich unsere Akkreditierungsrichtlinien. Demnach können wir lediglich BloggerInnen akkreditieren, auf deren Blog seit mindestens einem vollen Kalenderjahr regelmäßig und frequent Rezensionen und Beiträge veröffentlicht werden. Diesen Parameter sehen wir bei Ihrer Webpräsenz leider als nicht erfüllt an.

[NACHTRAG]

Das wird dadurch nochmal relevanter, dass die Akkreditierungrichtlinien dies gar nicht einfordern.

 In diesen Fällen ist eine Vorab-Akkreditierung wegen erhöhten Prüfungsaufwandes erforderlich. Solche Online-Medien müssen seit mindestens drei Monaten existieren, regelmäßige Einträge vorweisen und der letzte Text mit Bezug zum Messethema darf höchstens drei Monate alt sein. (In Einzelfällen kann es separate ausführlichere Akkreditierungsregeln für Blogger und einen separaten Status für Blogger geben.)

Zwar wird darauf verwiesen, dass Blogger möglicherweise separaten Richtlinien unterworfen seien, aber nur in Einzelfällen und genannt werden die Richtlinien auch nicht. (Mehr dazu unter „zweitens“.)

[ENDE NACHTRAG]

Zweitens: Man scheint generell bis gestern gewartet zu haben, um die Absagen an Blogger zu verschicken, die Beschwerden darüber tummeln sich nämlich gerade zu Hauf in den sozialen Netzwerken, allen wurde erst gestern abgesagt. Das betrifft dabei auch eine Menge Blogger, die in den Vorjahren noch anstandslos akkreditiert wurden und geht teilweise sogar so weit, dass bei Blogs, die von zwei Personen betrieben werden einer Person schon vor Wochen eine Akkreditierung erteilt wurde und die andere gestern ihre Absage bekommen hat.

Die Leipziger Buchmesse akkreditiert also ausgesprochen willkürlich und die eigenen Richtlinien scheinen nur bedingt zu gelten. Tatsächlich muss man sogar annehmen, dass es schlichtweg ein Kontingent der Zahl X für Blogger gab und sobald das ausgeschöpft war hanebüchene Begründungen herhalten mussten, warum man nicht mehr Blogger akkreditiert. Das erklärt auch, warum man mit den Absagen bis gestern gewartet hat, denn mittlerweile kann man kaum noch andere Leute davon überzeugen, die Leipziger Buchmesse ausfallen zu lassen (die haben ihr Ticket ja alle schon) und hat teilweise schon selbst Termine auf der Messe vereinbart, muss sich also nun zwangsweise ein Ticket kaufen.

Ein weiterer Grund dürfte sein, dass die Messe bereits wegen ihrem Verhalten gegenüber der WerkZeugs Phantastik-Leseinsel in der Negativpresse war und die negative Gegenreaktion der Blogger lieber so weit nach hinten verlegen wollte, wie nur möglich.

Der ganze Ablauf ist damit einfach nur eine Frechheit gegenüber allen Bloggern und der freien Presse.


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6 Gedanken zu “Blogger/Presse von der Leipziger Buchmesse kalkuliert verarscht

  • Gerold

    Während der Akkreditierung wird darauf hingewiesen, dass die Infos „spätestens eine Woche vor Veranstaltungsbeginn“ (oder so ähnlich) verschickt werden. Darauf herumzureiten ist unangebracht.

    Ebenso steht direkt auf der Startseite zum Akkreditierungsvorgang (Presse -> Akkreditierung) dick, breit und gut leserlich:

    Hinweise für Blogger

    Autoren, die einen etablierten Literatur-Blog zu Themen der Leipziger Buchmesse betreiben, können ebenfalls eine Akkreditierung beantragen. Voraussetzungen für die Akkreditierung sind:

    Der Blog ist auf die Messe-Zielgruppe und/oder die Messethemen ausgerichtet.
    Der Blog ist in der Branche etabliert, d.h. er besteht mindestens ein volles Kalenderjahr und es werden regelmäßig branchenspezifische Beiträge veröffentlicht.
    Achtung: Bitte beachten Sie, dass wir keine reinen Social Media-Kanäle (Facebook, …) oder Microblogs akkreditieren.

    Relevant ist in diesem Fall wohl Punkt 2. Und sorry, sich darüber zu beschweren, dass man nicht akkreditiert wurde, obwohl diese Punkte nicht erfüllt sind (und ja, der Unternehmer in mir sagt, dass es unerheblich ist, ob man nun schwanger, in Elternzeit oder ein halbes Jahr auf Selbstfindungsreise in Indien gewesen ist) ist auch nichts anderes, als eine Messegesellschaft, die ein bestimmtes Kartenkontingent an jeden x-beliebigen Blogger vergibt und dann „Ausreden“ als Absage verschickt.

    Mein Eindruck ist hier eher ein verletztes Ego als eine angebrachte und zielgerichtete Beschwerde. Man muss nicht damit einverstanden sein, dass die Absagen so spät verschickt werden. Ich könnte es mir meinen Kunden gegenüber nicht leisten, so zu arbeiten. Aber: Solange es vorher klar kommuniziert wird, ist es kein Grund zur Beschwerde.

    • Daniel Autor des Beitrags

      Mein Ego kann das gut ab, keine Bange. So wichtig bin ich nicht, dass mich das persönlich trifft.
      Wenn es nur mich betreffen würde, würde mich das auch lediglich im Hinblick auf die Elternzeit stören, die ich nicht so lapidar abtun würde, aber das zeigt ein generell anderes Verständnis von Vereinbarkeit von Familie und Beruf. (CSU-Wähler? Frau an den Herd?)
      Auch die Blogrichtlinien der LBM erfülle ich, mit Ausnahme der Regelmäßigkeit im letzten Jahr, die ja aber mit der Elternzeit bereits abgehandelt ist.

      Bleibt noch die Tatsache, dass man die Absagen erst eine Woche vorher rausschickt … ja, das hat man sich erlaubt. Aber muss man es deswegen bis zur letzten Minute hinauszögern? Sämtliche Blogger mit denen ich gesprochen habe, haben ihre Akkreditierung frühzeitig eingereicht, es war also genug Zeit, sie vorher abzulehnen. Die Zusagen hat man ja auch schon vor Wochen rausgeschickt. Was bleibt ist also, das Kalkül beim Timing der Absagen, das ich im Beitrag angeführt habe. Einen anderen Grund für die Ausreizung der Frist bis zur letzten Sekunde kann es nicht geben, denn die Zusagen hat man ja schon vor Wochen verschicken können.

      Was bleibt ist also, das ich hier einen vergrätzten Messemitarbeiter vermute, der gerade nicht erfreut darüber ist, dass es ein negatives Feedback gibt und die LBM schon wieder in die Negativschlagzeilen rutscht.
      Aber dann sollte man sich halt nicht so verhalten, dass das passiert. Das Ergebnis war ja nun wirklich absehbar.

  • PhantaNews

    Dass die Messe Leipzig die Akkreditierungen nicht eben professionell durchführt, zeigt ja schon, dass die Situation im letzten Jahr ähnlich chaotisch war. Damals wurde Urlaub der zuständigen Sachbeabeiterin als Grund vorgeschoben. Ob die in diesem Jahr schon wieder Urlaub hat? Wohl kaum.

    Über die Akkreditierungsrichtlinien kann man möglicherweise diskutieren (wobei ich aufgrund der ansonsten unprofessionellen Durchführung nicht glaube, dass alle sich akkredtierenden Blogs ernsthaft geprüft werden), über die unprofessionelle Durchführung nicht. Wenn man eine Akkreditierungsanfrage stellt, dann muss die kurzfristig beantwortet werden, und nicht erst eine Woche vor Beginn haufenweise Absagen verschickt werden, damit es keine negative Publicity gibt. Was dabei heraus kommt, sieht man jetzt, das Thema macht im Netz und den sozialen Medien gut die Runde.

    Das mal eben auf „verletztes Ego“ reduzieren zu wollen, geht am Problem meilenweit vorbei und versucht es in meinen Augen allein durch Diskreditierung zu entkräften.

  • Ruby

    Die Beschwerde, dass die Absagen so spät kamen, kann ich nicht nachvollziehen. Denn die Messe hat sich genau das vorbehalten. Bis eine Woche vor Messebeginn, wenn ich mich recht entsinne.
    Ich frage mich, wie sich manche so ein Akkreditierungsverfahren vorstellen.

    Gerade in den letzten Jahren ist die Anzahl der Anfragen von Bloggern massiv angestiegen, diese müssen alle einzeln kontrolliert werden (alle Anfragen, nicht nur die von Bloggern), das von einer Handvoll Leuten die vermutlich größtenteils aus Studenten und Praktikanten bestehen und das auch noch in einer sehr begrenzten Zeit.
    Dass dort auch Fehler unterlaufen, finde ich nachvollziehbar.

    Es gibt gewisse Kriterien, die von den Verantwortlichen festgelegt werden. Diese wurden für diesen Blog offensichtlich nicht erfüllt.
    Wenn die Messeverwaltung festlegt, dass sie regelmäßige Rezensionen sehen wollen, weil das dem klassisch Bild von Presse im Buchbereich entspricht, dann finde ich das gerechtfertigt.
    Es kann auch nicht erwartet werden, dass jeder Blog bis ins kleinste Detail durchgeguckt wird. Wie lange sollte dann so eine Akkreditierungsphase dauern?

    Auch das Argument mit der Elternzeit finde ich nicht einleuchtend. „Blogger“ ist keine Beruf gruppe, davon kann man nicht in Elternzeit gehen oder bist du eine eigenständige, eingetragene Redaktion?

    Ich finde es auch vollkommen nachvollziehbar und sogar gut, dass die Richtlinien angepasst oder erweitert werden. Gerade mit Blick darauf, dass sich immer mehr Blogger akkreditieren.
    Ich bin ein wenig geschockt, mit was für einer Arroganz viele Blogger anscheint an diese Sache rangehen. Nach dem Motto: „Ich habe den immer gekriegt und es ist doch selbstverständlich, dass ich auch wieder so einen Ausweis bekomme.“ Nein ist es nicht!
    Selbst wenn man alle Kriterien der Messe erfüllt, dann hat man eine „Berechtigung“ auf einen Presseausweis, aber keinen „Anspruch“.

    Eins noch. Hier wurden offensichtlich Teile eines Schreibens veröffentlich, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Das Zitierrecht greift in diesem Falle also nicht, deshalb würde es mich interessieren, ob vorher eine Absprache mit den Messevertretern stattgefunden hat?

    • Daniel Autor des Beitrags

      Immer wieder auf der Wochenfrist rumzureiten macht es auch nicht besser, dass sie offenbar für sämtliche Absagen ausgereizt wurde. Zusagen sind schon seit Wochen raus, nur die Absagen hat man erst zur letzten Minute verschickt.

      Natürlich war das Absicht. Das passiert nicht zufällig. Die Ausrede, dass da Praktikanten und Studenten säßen zieht auch nicht. Dann darf man eben nicht am Personal sparen.

      Was die Kriterien angeht: Die scheinen nicht klar angewandt worden zu sein. Denn teilweise sagt man den Leuten, es müssten messerelevante Inhalte im Blog vorkommen, anderen sagt dann, es dürften nur Bücherrezensenten als Presse zur Messe. Mir sagt man erst, es wäre nur die Regelmäßigkeit, dann frage ich freundlich wegen der Elternzeit an, plötzlich muss auch ich Bücher rezensieren.

      Und natürlich greift die Elternzeit. Man geht in Elternzeit, um sich um sein Kind zu kümmern und nicht zu arbeiten. Ein ordentlich geführtes Blog ist Arbeit — und zwar eine ganze Menge. Dass macht man in Elternzeit nicht mal eben nebenbei weiter. Wer ein Kind hat, wird das bestätigen. Da bleibt so ziemlich alles liegen.

      Dass die Richtlinien angepasst und möglicherweise strenger werden ist auch gar kein Problem. Allerdings sollten sie transparent und nicht vollkommen willkürlich sein. Wenn ein als Partner betriebenes Blog für den einen Partner die Akkreditierungsrichtlinien erfüllt und für den anderen nicht, dann läuft da ganz eindeutig etwas nicht rund. Wenn seit Jahren akkreditierte Blogs plötzlich nicht mehr akkreditiert werden, dann sollte die Erklärung deutlich ordentlicher sein und gerade dann sollte man den Leuten eben definitiv nicht erst eine Woche vorher die Absage schicken — theoetisch angesetztes Fristende für die Bearbeitung oder nicht, Zusagen kamen ja schon Wochen vorher.

      Der Versuchte Angriff über das Zitatrecht: Süß, aber vollkommen falsch. Zum einen greift hier ein presserechtliches Zitat, zum anderen nennt sich das hier „Presse“ und „Berichterstattung“. Da darf man zitieren, auch wenn es der Gegenseite nicht passt. Wichtig ist, dass Dinge nicht verfälscht oder für Schmähkritik genutzt werden.
      Das ist nicht der Fall.