lul.to – Erwägungen und Schritte 8


Wer hier in der Vergangenheit Dinge von mir zum Thema illegale Kopien von mir gelesen hat, der wird jetzt womöglich überrascht sein, aber ich habe Anzeige gegen die mutmaßlichen Betreiber von lul.to erstatten lassen.

Während ich es mit illegalen Kopien im Regelfall nicht so eng sehe, weil ich mich tatsächlich über die Gegebenheiten informiere und nicht nur blind die Propaganda von Bertelsmann und Sony nachplappere und es förmlich „fühle, wie mir das schadet“ (kein Witz, den Schwachsinn habe ich tatsächlich schon als Argument entgegengeworfen bekommen, mit Fakten war bei der Person da nicht viel zu machen, sie hat es „gefühlt“, das musste reichen [und „die Person“ meint hier eigentlich Plural …]). Daher sehe ich die Verbreitung in Tauschbörsen meist gelassen.

Anders sieht es jedoch eben bei lul.to aus. Hier wurde nicht fröhlich getauscht, hier wurde gehandelt. Die Betreiber haben mit meiner Arbeit Geld verdient — ohne mir etwas von diesem Geld zukommen zu lassen. Aber selbst wenn sie das hätte, zu dem Ramschpreisen hätte ich meine Bücher nicht verkauft, Literatur hat nämlich einen Wert und ich muss ja auch von irgendetwas leben können.

Jetzt denkt ihr euch vielleicht: Warum eigentlich noch anzeigen, die sitzen doch schon in Haft? Und warum eigentlich „anzeigen lassen“?

Die Antwort darauf ist vielschichtig. Grundlegend einmal gibt mir die Anzeige die Möglichkeit im sicherlich folgenden Strafprozess als Nebenkläger mit am Tisch zu sitzen, denn ich bin ja Geschädigter (mehr dazu weiter unten). Und bevor das soweit kommt, wird mir über die Anzeige Akteneinsicht ermöglicht (darum auch „anzeigen lassen“, denn ohne Anwalt stellen sich Staatsanwaltschaften gerne quer, was das Verlangen nach Akteneinsicht angeht). Durch die Akteneinsicht weiß ich am Ende, wie viel dort mit meinen Büchern verdient wurde. Ich kann sehen wann Geld mit meinen Büchern verdient wurde (und daraus dann abschätzen, wie viel Schaden mir das beispielsweise beim Amazon-Ranking eingebracht und dadurch weitere Verkäufe verhindert hat). Je nachdem wie penibel die Betreiber Buch geführt haben ermöglicht es mir möglicherweise sogar am Ende die Käufer zu belangen.

Ja, die Option gegen die Nutzer vorzugehen halte ich mir offen. Zwar können aus einigen von ihnen vielleicht wirklich echte Käufer späterer Bücher gewachsen sein, aber sicher nicht aus allen. Wer beispielsweise sämtliche meiner Bücher über lul.to erworben hat, der hat definitiv nie eines legal gekauft. Aber da heißt es erstmal abwarten, wie gut die Buchführung der Betreiber war.

Ebenso ermöglicht mit die Akteneinsicht am Ende abzuschätzen, ob sich ein zivilrechtliches Schadensersatzverfahren gegen die Betreiber lohnt. Hier rechne ich aber nicht realistisch damit. Vermutlich werden die in die Privatinsolvenz gehen und was auch immer da am Ende noch zu holen ist, werden sich die großen Verlage mit Millionenforderungen untereinander aufteilen — für mich als kleinen Selfpublisher bleiben vermutlich nur Centbeträge (wenn überhaupt). Im Vergleich zu den anfallenden Prozesskosten wird sich das kaum lohnen (außer ich kriege Gerichtskostenbeinhilfe, aber das muss man schauen).

Obwohl für mich persönlich nicht viel in Punkto Geld zu holen sein wird, bietet meine Position als Selfpublisher mir einen großen Vorteil gegenüber den Verlagsautoren: Meine Rechte liegen alle bei mir und ich kann selbstständig als Nebenkläger auftreten. Damit bietet sich mir ein direkter Einblick in den Prozess, der weder von Medienberichterstattung noch dem zwischengeschalteten Verlag getrübt ist — und da die Verlage meistens ja auch die großen Zeitungen betreiben, ist hier sonst wirklich wenig Objektives zu erfahren. Ob ich wirklich an jedem Verhandlungstag vor Ort sein werde wird sich zeigen, aber in jedem Fall kann das spannend werden, denn wenn noch mehr Selfpublisher auf die Idee kommen, hier als Nebenkläger auftreten zu wollen, dann muss Bamberg vermutlich ein neues Gerichtsgebäude bauen, um all die Nebenkläger und Nebenklagevertreter unterbringen zu können.

Alles in allem kommen ein paar spannende Monate oder gar Jahre auf mich zu (und ich kann sicher immer mal wieder über die eine oder andere Entwicklung berichten). Und für die Nutzer von lul.to: ZITTERT UND BANGT, DENN WENN DIE BETREIBER PENIBEL BUCH GEFÜHRT HABEN KOMME NICHT NUR ICH, DANN KOMMEN DIE GROßEN VERLAGE UND MACHEN IHREN SCHADEN GELTEND.


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8 Gedanken zu “lul.to – Erwägungen und Schritte

    • Daniel Autor des Beitrags

      Du könntest bei der Polizei in Bamberg anfragen. Ich hatte vor Jahren halt mal geschaut und welche entdeckt und gehe davon aus, dass es mehr geworden ist.
      Alles in allem kannst du aber davon ausgehen, dass Bücher bei lul.to zu finden waren, wenn sie im Handel waren.

  • Alessa Kreikle

    Da lohnt sich dein rechtliches Know How! Ich bange mit und hoffe du kannst deinen Schaden geltend machen.

    • Daniel Autor des Beitrags

      Ja, auf jeden Fall. Auch wenn ich trotzdem dazu neige, alles immer mit Anwälten zu klären, bevor ich etwas unternehme. Wofür habe ich sonst beispielsweise die kostenlose Erstberatung beim Fachanwalt durch den Selfpublisher Verband? 😉

  • Antonio

    Wie sollen Deine Bücher evtl. im Amazon Ranking steigen, wenn sie jetzt nicht mehr bei lul.to sind? Weil wie Du ja bereits richtig sagtest waren ja quasi alle eBooks bei lul.to zu finden, d.h. Deine Konkurrenz-Autoren waren davon genauso betroffen. Also würdest Du auch nicht im Ranking steigen ohne Lul.to 😀

    Ausser natürlich besonders viele Leser haben Dich über Lul.to erst entdeckt, aber das wäre ja nichts schlechtes oder? Vielleicht kaufen da ja jetzt einige Deine eBooks auch anderswo.

    Das mit der Akteneinsicht würde mich allerdings auch interessieren. Bei Lul.to haben mit Sicherheit auch viele Leute mehr eBooks gekauft als sie Zeit haben diese zu lesen. Von daher kann man das alles nicht so wirklich gut vergleichen mit Amazon, wo man eher 3x schaut ob man ein Buch wirklich „kaufen“ möchte. Trotzdem ist es natürlich interessant, ich vermute aber stark dass auch bei Lul hauptsächlich die „Bestseller“ gekauft worden sind.

    • Daniel Autor des Beitrags

      Der Schaden im Ranking ist eine Theorie. Das kann man nur sagen, wenn man vergleichen kann, wie gut sich unterschiedliche Bücher bei lul und bei Amazon verkauft haben. Ein Buch mag bei Amazon beispielsweise sehr gute gelaufen sein, bei lul aber eher weniger, andere liefen bei Amazon vielleicht schlecht, bei lul aber sehr gut.
      Das kann man nur über die Akteneinsicht ermitteln – und selbst dann nur grob, deine Kritik ist da wirklich nicht ganz unberechtigt.

      Bei lul entdeckt worden zu sein, muss auch nichts schlechtes sein. Wenn die Leute dann am Ende vielleicht nach dem Klauf eines einzelnen bei lul dazu übergegangen sind, weitere im echten Handel zu kaufen. Bei regulären Tauschbörsen ist dieser Effekt definitiv vorhanden. Bei lul musste man aber einen gewissen Betrag einzahlen und den dann eben über Buchkläufe ausgeben. Es war also ein gewisser Anreiz da, wirklich alle Bücher dort zu bekommen und am Ende eben nicht zu einem legalen Händler zu wechseln. Die Chance, dass das passiert ist entsprechend unweit geringer, als sie das bei „normalen“ Tauschbörsen ist.

    • Daniel Autor des Beitrags

      Jein.
      Wenn alle die gleichen Ziele verfolgen, macht das evtl. Sinn. Ich weiß aber nicht, ob ich unbedingt die gleichen Ziele verfolge, wie alle anderen. Da ich meine Anwältin auch kenne, ist die finanzielle Seite auch nur bedingt ein Problem für mich.
      Wer jedoch wirklich schauen muss, wie er die Anwaltskosten gestemmt bekommt, ja, dem würde ich dringend empfehlen, sich einer Gruppe anzuschließen, die gemeinsam Rechtsbeistand sucht. Gibt es ja glaube ich auch schon welche.