Thalia und die Rechnungen ohne Rechtsgrund 2


Thalia ist ja immer mal wieder eine Negativschlagzeile wert. Was sie sich momentan erlauben, schlägt dem Fass jedoch so langsam den Boden aus.

Ohne einen Vertrag oder einen sonstigen Rechtsgrund schicken sie seit neuestem Rechnungen an Verlage, damit diese einen „Verkaufsförderungsbonus 2017“ bezahlen. Also eine Rechnung dafür, dass Thalia als Buchhändler Bücher verkauft. Ist ja auch krass von ihnen und sie machen das bislang bestimmt aus purem Eigennutz. So ein Bücher verkaufender Buchhändler. Wow.

Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen: Thalia schickt Rechnungen dafür raus, dass sie Bücher verkaufen, ohne mit den Empfängern dieser Rechnung irgendeinen Vertrag eingegangen zu sein. Unterschwellig drohen sie dann im Schreiben gleich noch damit, dass man sonst die Bücher nicht mehr verkaufen werde:

Damit stellen wir sicher, dass auch Ihre Umsätze mit Thalia nachhaltig stabilisiert werden und in Zukunft Entwicklungspotential bieten.

Der Brief von Thalia (Quelle: Börsenblatt)

Das ist ein starkes Stück. Und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels? Schweigt? Thalias Konkurrenten? Schweigen.

Hätte Amazon eine solche Rechnung geschickt? Es würde wieder das Gekreische losgehen, dass Amazon seine Marktmacht missbrauchen würde und man doch nur noch bei den lokalen Buchhändlern einkaufen solle. Das Spiel hatten wir schon mehrfach. Große Buchhändler nutzen ihre Marktmacht aus, um beispielsweise über Werbekosten hintenrum § 6 Abs. 2 BuchPrG zu umgehen und wenn Amazon dann ähnliche Werbekosten bezahlt haben will … Geschrei. Davon, dass das illegal sei, ist dann bei den Verlagen die Rede.

Haben sie Recht. Ist es bei ihnen aber auch. Interessiert nur irgendwie keine Sau.

Ich habe aus diesem Schreiben (das nicht an mich ging) aber meine Konsequenzen gezogen: Thalia und seine Ableger werden hier zukünftig nicht mehr auf den Buchseiten verlinkt und ich habe sie aus dem Großteil der bereits vorhandenen Seiten auch entfernt.

Gleichzeitig habe ich ein Schreiben und eine Rechnung für Thalia aufgesetzt, schließlich habe ich hier über Jahre Links zu ihnen gesetzt und damit dazu beigetragen, dass Thalias Umsätze sich nachhaltig stabilisiert haben. Dafür will ich jetzt Geld sehen. Ich vermute mal, dass Thalia das plötzlich dann gar nicht mehr so lustig findet und mir einen Anwalt auf den Hals hetzen wird, aber hey: Sie haben ja bereits gezeigt, dass sie solche Rechnungen für legitim halten.

Könnte lustig werden.


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2 Gedanken zu “Thalia und die Rechnungen ohne Rechtsgrund

  • Gabriele Maiwald

    Habe heute die 1. Rechnung von Thalia Verkaufsförderungsbonus 2017 erhalten.

    Als kleiner Verlag werde ich diese Rechnung nicht bezahlen – habe auch keinen Vertrag dafür unterzeichnet.
    Ich hoffe jedenfalls, dass viele Verlage diese Verkaufsförderungsbonus 2017-Rechnung boykottieren …
    Siehe auch: „Thalia und die Rechnungen ohne Rechtsgrund“ Link = https://www.boersenblatt.net/artikel-ein_kommentar_von_preisbindungstreuhaender_christian_russ_zum_thalia-brief.1354439.html
    Grüße aus dem Norden – MaiGa 20.08.2017
    P.S.
    Außerdem arbeitet Thalia nicht sehr wirtschaftlich – Beispiel: Thalia bestellt im Jahr zigmal ein gleiches Produkt. Da ich Porto erheben muss, kommt eine stattliche Portosumme zusammen … habe danach eine Tabelle – nur zur Information – zusammengestellt und leider keine Antwort erhalten.

    • Daniel Autor des Beitrags

      Eine Überlegung ist ja, ob Thalia sich mit diesen Rechnungen nicht sogar strafbar macht. Nötigung wäre zumindest mal interessant zu prüfen. Müsste sich halt ein betroffener Verlag trauen zum Anwalt zu gehen und Strafanzeige zu stellen.
      Weiß nicht, ob das schon jemand getan hat.